{"id":1776,"date":"2013-09-21T15:11:44","date_gmt":"2013-09-21T13:11:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1776"},"modified":"2018-04-04T18:39:34","modified_gmt":"2018-04-04T16:39:34","slug":"schmetterling-und-taucherglocke","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1776","title":{"rendered":"Schmetterling und Taucherglocke"},"content":{"rendered":"<div class='AlphabeticList'><a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1757#B'>B<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1757#E'>E<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1757#H'>H<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1757#K'>K<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1757#N'>N<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1757#O'>O<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1757#S'>S<\/a> <\/div><p>2007<br \/>\nRegie: Julian Schnabel<br \/>\nDarsteller: Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner, Marina Hands<\/p>\n<p><strong>ESARINTUL OMDPCFBV HGJQZYXKW<\/strong><\/p>\n<p>Der deutsch-amerikanische Maler Julian Schnabel hat wunderbare Bilder gefunden, um das Buch &#8222;Schmetterling und Taucherglocke&#8220; von Jean-Dominique Bauby in die Filmsprache zu \u00fcbersetzen. Das Buch ist ein authentisches Zeugnis aus der Welt eines Menschen, der zwar bei vollem Bewusstsein ist, aber aufgrund eines Schlaganfalls nur noch das linke Augenlid bewegen kann. Eine subjektive Sicht aus dem &#8222;Locked-In-Syndrom&#8220;. Eingeschlossen und abgeschnitten von der Umwelt wie in einer Taucherglocke flattern die Gedanken frei umher wie ein Schmetterling.<\/p>\n<p>Julian Schnabel zwingt dem Zuschauer diese subjektive Sicht auf, indem weite Teile des Films eben aus der Perspektive des Patienten gedreht wurden. Am Ende des Films wird zudem eine Kamera eingesetzt, die der Kameramann Janusz Kaminski mit Handkurbel bediente, um so die Geschwindigkeit und \u00dcberblendungen (durch Zur\u00fcckspulen) h\u00f6chst individuell gestalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir werden gleichsam gezwungen, uns in diesen Menschen einzuf\u00fchlen. Und das gelingt: Der Blick aus dieser Perspektive entlarvt die Unbeholfenheit derer, die sich au\u00dferhalb befinden. Au\u00dferhalb dieses behinderten K\u00f6rpers, au\u00dferhalb dieses Zustandes, au\u00dferhalb dieses Schicksals. Genaugenommen wird nicht die Unbeholfenheit an sich entlarvt &#8211; denn diese ist menschlich und auch f\u00fcr den Patienten annehmbar &#8211; sondern die Versuche, diese zu kaschieren.<\/p>\n<p>Insofern ist es ein Film, der viel von dem vermittelt, was auch in der Palliativarbeit von Bedeutung ist: Einf\u00fchlung in die Welt des Patienten, sich einstellen auf dessen Bed\u00fcrfnisse, auf dessen Zeitma\u00df, auf dessen Bereitschaft uns teilhaben zu lassen. Wir m\u00fcssen unsere Sprache auf die des Patienten einstellen.<\/p>\n<p>Genau dies tut auch die Logop\u00e4din, die ein Alphabet einf\u00fchrt, mit welchem die m\u00fchsame Buchstaben-f\u00fcr-Buchstaben-Kommunikation betr\u00e4chtlich erleichtert wird, indem die Buchstaben nach der H\u00e4ufigkeit ihres Vorkommens in der franz\u00f6sischen Sprache angeordnet werden. (Es ist es ja auch nicht richtig zu vermerken, dass ein Patient nicht mehr ansprechbar sei &#8211; denn ansprechen kann man ihn immer. Es ist nur die Frage, was davon ankommt und vor allem, auf welche Weise sich ein Mensch mitteilen kann, der nicht mehr \u00fcber das \u00fcbliche Kommunikationsrepertoire wie Worte, Stimme, Mimik, Gestik etc. verf\u00fcgt).<\/p>\n<p>Da sich die Welt f\u00fcr Jean-Dominique Bauby radikal ver\u00e4ndert hat und er nun auf sich selbst bzw. sein Denken zur\u00fcckgeworfen ist, bekommt alles, auch das Allt\u00e4gliche und Unscheinbare, eine neue Bedeutung. So auch die Buchstaben des Alphabets: &#8222;Das stolze J, mit dem so viele S\u00e4tze beginnen [franz. Je=Ich], wundert sich, dass es so weit hinten steht&#8220; hei\u00dft es im Buch.<\/p>\n<p>Das Ich wird hintangestellt, wenn die \u00fcblichen Werkzeuge des Selbstausdrucks und der Selbstdarstellung wegfallen. Was bleibt, ist viel Raum zur Reflexion. Die Situation zwingt Bauby dazu nach und nach eine Haltung der Gelassenheit einzunehmen &#8211; warum sollte er sich dar\u00fcber aufregen, dass ein Besucher es nicht schafft mit ihm zu kommunizieren? Dann ist diese Person eben kein wirkliches Gegen\u00fcber f\u00fcr ihn. Sein Blick richtet sich aufs Wesentliche. Und wesentlich sind f\u00fcr Bauby der Schmerz des Abgeschnitten-seins (insbesondere auch in Bezug auf seine Kinder, denen er &#8222;nicht einmal mehr durchs Haar streichen&#8220; kann), die menschliche Zuwendung, aber auch die Planung des Tages (denn wenn er eine Fernsehsendung sehen will, muss er auch die nachfolgenden Sendungen bedenken, da er selbst das Ger\u00e4t ja nicht abschalten kann und dann m\u00f6glicherweise stundenlang nervende Taklshows \u00fcber sich ergehen lassen muss).<\/p>\n<p>Das Buch sollte ein Standardwerk im Gesundheitsbereich sein und der Film geh\u00f6rt als Lehrfilm in jeden Ausbildungsgang, der Menschen dazu bef\u00e4higen soll mit hochvulnerablen Patienten umzugehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Lehrkr\u00e4fte seien daher ein paar Filmstellen aufgef\u00fchrt, die sich gut zum Thema \u00a0Behandler-Patienten-Kommunikation einsetzen lassen:<\/p>\n<p>06:00 &#8211; 09:45\u00a0\u00a0\u00a0 Chefarzt &#8211; Aufkl\u00e4rung (&#8222;&#8230;\u00e4h, es gibt Hoffnung&#8220;)<br \/>\n11:40 &#8211; 12:40\u00a0 Kognitiver Test (&#8222;Was sind das f\u00fcr Fragen?&#8220;)<br \/>\n13:30 &#8211; 14:35\u00a0 Auge zun\u00e4hen &#8211; Urlaubsbericht (&#8222;St. Moritz ist&#8230;&#8220; &#8211; &#8222;Mir doch egal!&#8220;)<br \/>\n14:35 &#8211; 15:30\u00a0 Anziehen<br \/>\n20:47 &#8211; 22:27\u00a0 Alphabet Instruktion (&#8222;Nein, ich wei\u00df nicht, was ich sagen soll&#8220;)<br \/>\n23:40 &#8211; 24:32\u00a0 Baden (&#8222;Nur Narren lachen, wenn es nichts zu lachen gibt&#8220;)<br \/>\n24:33 &#8211; 25:00\u00a0 Logop\u00e4din (&#8222;Tun Sie den Spiegel weg!&#8220;)<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">(Jan Gramm)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.palliativpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/Schmetterling-und-Taucherglocke.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1798 alignleft\" src=\"http:\/\/www.palliativpsychologie.de\/wp-content\/uploads\/Schmetterling-und-Taucherglocke.jpg\" alt=\"Schmetterling und Taucherglocke\" width=\"108\" height=\"148\" \/><\/a>Bewertung: <span style=\"color: #0081ab;\"><strong>*****<\/strong><\/span><br \/>\nUnbedingt ansehen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1757\">&lt;&lt; zur\u00fcck zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B E H K N O S 2007 Regie: Julian Schnabel Darsteller: Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner, Marina Hands ESARINTUL OMDPCFBV HGJQZYXKW Der deutsch-amerikanische Maler Julian Schnabel hat wunderbare Bilder gefunden, um das Buch &#8222;Schmetterling und Taucherglocke&#8220; von Jean-Dominique Bauby in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1776\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":1757,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"sidebar-page.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1776","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1776","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1776"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1776\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3435,"href":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1776\/revisions\/3435"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1757"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1776"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}