{"id":1458,"date":"2013-05-10T18:40:52","date_gmt":"2013-05-10T16:40:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1458"},"modified":"2015-04-04T22:38:02","modified_gmt":"2015-04-04T20:38:02","slug":"geburt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1458","title":{"rendered":"Geburt"},"content":{"rendered":"<div class='AlphabeticList'><a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#A'>A<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#B'>B<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#D'>D<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#F'>F<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#G'>G<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#H'>H<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#I'>I<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#K'>K<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#L'>L<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#M'>M<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#N'>N<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#P'>P<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#R'>R<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#S'>S<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#T'>T<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#V'>V<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#W'>W<\/a> <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1229#Z'>Z<\/a> <\/div><p>Der Eintritt in einen neuen Seinszustand. Substantiv zu &#8222;geb\u00e4ren&#8220;, welches auf die indogermanische Wurzel <em>bher<\/em> = &#8222;tragen, bringen&#8220; zur\u00fcckzuf\u00fchren ist (vgl. engl. &#8222;to bear&#8220; = er-tragen, hervorbringen); also: &#8222;austragen, zu Ende tragen&#8220;. Auch die Bahre ist auf diesen Ursprung zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Geburt eines Menschen k\u00f6nnte man fast als Metamorphose bezeichnen, denn mit dem ersten Atemzug (bzw. dem ersten Schrei) stellt sich vieles im K\u00f6rper des Neugeborenen komplett um: Der Sauerstoff wird nun nicht mehr \u00fcber das Nabelschnurblut zugef\u00fchrt, sondern direkt \u00fcber die Lungen, die sich nun entfalten und erstmals ihre Funktion aufnehmen. Gleichzeitig verschlie\u00dft sich eine Shuntverbindung zwischen linker und rechter Herzkammer, wodurch sich das Kreislaufsystem differenziert: Es entstehen kleiner und gro\u00dfer Kreislauf. Die Aufnahme der N\u00e4hrstoffe erfolgt k\u00fcnftig nicht mehr \u00fcber die Nabelschnur, sondern \u00fcber den Magen-Darm-Trakt, wobei die Magens\u00e4ure erst produziert werden muss und der Darm erst von Bakterien besiedelt werden muss. Das Gef\u00fchl von Hunger wird eine neue Erfahrung darstellen. Nicht nur der Lebensraum \u00e4ndert sich also pl\u00f6tzlich (Unterscheidung von warm und kalt, nass und trocken, hell und dunkel etc.), sondern auch der eigene K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Unter palliativpsychologischem Blickwinkel sind folgende Aspekte interessant:<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt der Geburt wird wesentlich vom Kind bzw. dessen K\u00f6rpersignalen bestimmt. Es gibt also einen Zeitpunkt bzw. einen Zeitraum, an dem der K\u00f6rper f\u00fcr das Verlassen des bisherigen Lebensraumes bereit ist.<\/p>\n<p>Ebenso wie die Geburt ist auch der Sterbevorgang ein sehr k\u00f6rperlicher. Insbesondere die k\u00f6rperlichen Ausscheidungen wie Urin, Kot und Schleim k\u00f6nnen Abwehrreaktionen hervorrufen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen K\u00f6rperlichkeit sollte daher Bestandteil jeder Palliativ-Care-Ausbildung sein.<\/p>\n<p>In Hinblick auf das Geburtsgeschehen als Metamorphose verwundert es nicht, dass Menschen tiefgreifende Erlebnisse, die zu einer \u00c4nderung ihres Bewusstseins f\u00fchren, als &#8222;Wiedergeburt&#8220; oder als &#8222;zweite Geburt&#8220; bezeichnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Eckhart Tolle ist das Gegenteil von &#8222;Tod&#8220; nicht &#8222;<a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1474'>Leben<\/a>&#8220;, sondern die &#8222;Geburt&#8220;: Geburt und Tod bezeichnen zwei Zeitpunkte &#8211; Anfangs- und Endpunkt &#8211; auf der (horizontalen) Zeitschiene. Das <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1474'>Leben<\/a> hat nichts mit Zeit zu tun, es spielt sich sozusagen auf der Vertikalen ab, zeitlos, in jedem Augenblick.<\/p>\n<p>Der Hirnforscher Gerald H\u00fcther betont, dass unser Gehirn von Geburt an (und bereits schon vorher) optimal sowohl f\u00fcr die Anforderungen einer komplexen Umwelt als auch f\u00fcr die komplexen Vorg\u00e4nge innerhalb des K\u00f6rpers ausgestattet ist. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, diese nat\u00fcrliche Intelligenz nicht st\u00e4ndig durch das Denken zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Haltung, die F\u00e9d\u00e9rik Leboyer mit der &#8222;Geburt ohne Gewalt&#8220; beschrieben hat, gleicht der Haltung bei der Begleitung von Sterbenden: Sie ist gepr\u00e4gt von Stille, <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1444'>Demut<\/a>, Ehrfurcht, Mitgef\u00fchl, in-sich-selbst-horchen, Behutsamkeit, <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1480'>Liebe<\/a>.<br \/>\nDies wird deutlich, wenn wir in den Texten von Leboyer einfach die Begriffe \u201edas Kind\u201c erstzen durch \u201eder Sterbende\u201c, \u201ekommen\u201c durch \u201egehen\u201c, \u201eneues Wesen\u201c durch \u201esterbendes Wesen\u201c: <\/p>\n<p>Wir \u00fcberlegen, wie wir <em>den Sterbenden<\/em> vorbereiten k\u00f6nnen.<br \/>\nMit feinen Elektroden?<br \/>\nWir sind ratlos.<br \/>\nNicht <em>den Sterbenden<\/em> m\u00fcssen wir vorbereiten,<br \/>\nUns selbst.<br \/>\nDie eigenen Augen m\u00fcssen wir \u00f6ffnen.<br \/>\nDie eigene Blindheit muss aufh\u00f6ren.<br \/>\nMit ein wenig Verst\u00e4ndnis ist alles so einfach.<\/p>\n<p>Lasst uns einmal Schritt f\u00fcr Schritt anschauen,<br \/>\nwas wir tun k\u00f6nnen,<br \/>\num <em>dem Sterbenden<\/em>, der aus unserer Mitte geht,<br \/>\ndie <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1438'>Angst<\/a> zu nehmen. <\/p>\n<p>(&#8230; )<\/p>\n<p>Nun das H\u00f6ren.<br \/>\nWas k\u00f6nnte einfacher sein.<br \/>\nWir brauchen nur zu schweigen und still zu sein.<br \/>\nEinfach?<br \/>\nAuch das ist schwieriger als es aussieht.<br \/>\nWir sind derma\u00dfen geschw\u00e4tzig.<br \/>\nHinzu kommt, dass es so aufw\u00fchlend sein kann,<br \/>\ngemeinsam mit einem anderen Menschen zu schweigen,<br \/>\ndass es uns \u00dcberwindung kostet, es zu wagen.<br \/>\nSchweigen bedeutet, sich dem anderen zu \u00f6ffnen,<br \/>\nzu h\u00f6ren und aufzunehmen, was jenseits von Worten liegt.<br \/>\nDies erfordert Kraft und Anstrengung.<br \/>\nWir m\u00fcssen darauf vorbereitet sein. Wir m\u00fcssen es \u00fcben.<br \/>\nUnd m\u00fcssen begreifen, warum es geschieht.<\/p>\n<p>Wir fragen weiter:<br \/>\nWelches geheimnisvolle Etwas hindert uns daran, dies <em>sterbende Wesen<\/em> in seiner <a href='https:\/\/www.palliativpsychologie.de\/?page_id=1543'>Wirklichkeit<\/a> zu sehen und zu erkennen?<br \/>\nDieses Etwas sind wir selbst. Unser kleines Ich, unser Ego, dieses nebelhafte Gebilde, das sich aus unseren W\u00fcnschen, unseren Leidenschaften und vor allem unseren \u00c4ngsten zusammensetzt.  <\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>(nach Leboyer: &#8222;Geburt ohne Gewalt&#8220;, K\u00f6sel 1981)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>A B D F G H I K L M N P R S T V W Z Der Eintritt in einen neuen Seinszustand. 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